Beiträge von Valerian Oedgras

    "Gerne! Also, Tarik hatte mir in einem Brief ein wenig von den Geschehnissen während seines Aufenthalts im Reich der Rosen berichtet, und auch von einigen Pflanzen, von denen er dort gehört hatte. Ich bat ihn, wenn möglich die eine oder andere Pflanze mitzubringen. In der Zwischenzeit habe ich meine eigenen Aufzeichnungen und die Bibliothek durchforstet und bin zur Auffassung gekommen, dass die Magahrat-Wurzel uns hier vermutlich helfen könnte, wenn die Schriften korrekt sind.

    Denn diese Wurzel soll in der Lage sein, die Struktur der Dinge zu verfestigen, wenn sie... Moment, wie war die Formulierung doch gleich... mit der Energie die ihrer Mutter Terra eigen ist genährt wird. Die Wurzel greift dann nach den Dingen und hält sie fest, weshalb die Schriften spekulieren, dass diese Wurzel eine große Hilfe zum Verfestigen von labilen Energiegebilden sein könnte.

    Dann stand Tarik mit der Wurzel bei mir und ich beschloss, sie im Garten der Schöpfung im Terrabereich zu testen. Das schien mir damals der geeignetste Platz dafür.

    Meine Ergebnisse sind bisher jedoch nicht eindeutig. Die Wurzel scheint sich nicht allzu wohl zu fühlen, sie wächst einfach nicht.

    Woran das liegen mag, weiß ich nicht. Ob sie zu warm, zu trocken, zu nass liegt, ob es einfach nicht ihre Jahreszeit ist, ob die Wurzel irgendwie auf den gelben Brechwurz angewiesen ist, mit dem sie häufig vergesellschaftet ist, oder ob die Terraenergie im Garten nicht reicht...

    Nun ja, wenn die Terraenergie hier am Portal zumindest schwankend vorliegt, wäre das hier einen weiteren Versuch mit der Magahrat-Wurzel wert, denke ich... Vielleicht kann sie ja die Leitung hier schon ein wenig stabilisieren."

    Valerian nickte. "Hm, ja, wenn er da ist. Habe ihn schon lange nicht mehr gesehen, aber ich war selbst auch viel unterwegs... Oh."

    Er schien allmählich etwas munterer zu werden.

    "Vielleicht gibt es noch eine Möglichkeit, die energieleitenden Gebilde vom Tunnelnetzwerk zu stabilisieren. Tarik hat mir aus dem Reich der Rosen eine Magahrat-Wurzel mitgebracht, die instabile Energiegebilde zu verfestigen vermag, laut den Schriften... Das könnten wir hier auch noch versuchen."

    "Spontan fiele mir Hironimus Hiller als Ansprechpartner ein... Möglicherweise sind auch einige seiner Gesellen so weit, dass sie ihm helfen könnten... Das ist aber nur meine Spekulation. Ist nicht meine Abteilung, und ich kann schlichtweg nicht einschätzen, wie schwierig das Unterfangen ist."

    "Oh. Ja gut, dann auf die mystische Art. Also vergeben wir einen Forschungs- und Reparaturauftrag mit höchster Priorität an die Mystiker unter uns", schlug Valerian halb fragend vor und schnappte sich eine Dattel.

    "Ich sollte ins Bett", kam vom immer noch reichlich angeschlagenen Valerian,

    "doch bevor ich das tue, lass mich nochmal zusammenfassen, ob ich es richtig verstanden habe: Die Tunnel sind nicht länger einsturzgefährdet und somit für uns sicher, nur der Geschwindigkeitsvorteil den man abei einem funktionierenden Tunnelsystem hätte, wäre dahin, ja? Das wäre ja schon mal ein Erfolg, auf dem man aufbauen kann.

    Und Yan, du könntest den Mechanikern erklären, was sie bauen sollen? Also diesen Schalter und so ein Durchregulator...Flussding und den Schalter? Dann sollten wir das doch schon mal beauftragen, denn wer weiß, wie lange es dauern wird.

    Aber einbauen noch nicht, denn das wäre tatsächlich Verschwendung, bis die Energieversorgung wieder stabiler ist, richtig? Weil sonst die neuen Teile wieder kaputt gehen würden."

    Valerian nickte traurig.

    "Das heißt wir haben es letztlich mit einer weiteren Ausprägungsform des alten Problems zu tun, richtig?"

    Er seufzte.

    "Und selbst wenn wir wüssten, wie der Stein zu reparieren wäre, oder wir ihn ersetzen könnten, würden Reisen durch die Tunnel weiterhin nicht zuverlässig funktionieren.

    Das Einzige, was auf Dauer helfen könnte wäre also das Energienetz zumindest von hier bis zur Quelle zu prüfen... Aber wie, wenn man es nicht einmal sehen kann?"

    Valerian hatte fahrig auf einem Stück getrockneter Aprikose herumgekaut und schien fast wegzudösen. Beim Wort "Kraftadern" wurde er aber wieder etwas munterer.

    "Könnte es sein, dass die Energie mitunter zusammenbricht, weil irgendjemand oder irgendetwas permanent an einer Zuleitung zum Tor manipuliert? Es klingt fast so, als ob jemand hier in der Nähe verbotenerweise Tirolit abbaut..."

    Dem Forscher fiel plötzlich etws ein. Natürlich, da war doch noch was...

    Er kramte ein Leinensäckchen hervor und nahm sich zuerst ein paar Rosinen und einen Apfelring heraus, die sogleich in seinem Mund verschwanden. Dann faltete er den oberen Beutelrand zurück, so dass sich eine Art Schale ergab, und stellte die Schale mit allerlei getrocknetem Obst dann mit einem einladenden Nicken zwischen die drei.

    Der Forscher hob den Arm um den Wasserschlauch zu fangen, doch viel zu langsam. Der Schlauch fiel zu Boden. Valerian hockte sich neben den Trinkschlauch, stärkte sich mit einem guten Schluck und blieb sitzen, dankbar für die Ausrede.

    Aus der Hocke beobachtete er und war gespannt, was die Analyse wohl ergeben mochte.

    Valerian atmete durch und ließ Wu machen. Ein kurzes unwillkürliches Zusammenzucken als er ihn berührte, doch dann atmete der Forscher ruhig weiter. Er wusste, dass die Prozedur ihn womöglich über alle Maßen schwächen würde, doch das war anders. Er hatte mit einem zunehmenden Schmerz gerechnet, aber nicht mit dem immer mehr entgleitendem Bewusstsein. Wu musste das gespürt haben, denn er löste die Verbindung.

    Valerian fühlte eine nie dagewesene Schwäche und enorme Müdigkeit. Mit Mühe hielt er sich gerade eben noch auf den Beinen, während der Gedanke an sein warmes Bett immer fordernder wurde.

    Der Forscher biss sich auf die Lippe.

    "Ich habe heute nichts besonderes mehr vor... Wenn wir auf diese Weise etwas mehr über dieses Tornetzwerk erfahren können und solange ich morgen wieder wach werde, helfe ich gerne dabei."

    Als er dies aussprach, wunderte er sich einen Augenblick über sich selbst, und beim Gedanken daran, wie sich so eine Energiegabe wohl anfühlen würde, schienen sich seine Innereien zu verkrampfen.

    Valerian versuchte sich trotzdem nichts anmerken zu lassen.

    Valerian griff in seine Gürteltasche.

    "Zu den Nüssen kannn ich etwas getrocknetes Obst beisteuern, das passt ganz gut und gibt zumindest mir Kraft bei längeren Ausflügen. Dazu Wasser und wenn es kalt wird, etwas Rum...

    Was aber die andere Form von Energie angeht - da müsst ihr mir sagen, was ich tun soll."

    "Dann versuchen wir doch erst mal kaltes Wasser. Trinkschlauch unter den Arm klemmen und mal ein, zwei kleine Spinnen durch die kleine Trinköffnung mit Wasser bespritzen. Vielleicht lassen sie sich so sanft wegdrängen? Ist längst nicht so gefährlich wie offenes Feuer, und wirkt bestimmt auch nicht so aggressiv auf sie. Denn für die Spinnen sind sicher wir die Eindringlinge..."

    Valerian drehte sich kurz um zur Sigille und Wu, dann zurück zu Leukos.

    "Ich hab's noch nicht ganz zu Ende gedacht, wollte aber zumindest den Gedanken hier lassen, denn ich muss zurück zu diesem Stein am Tor. Bis nachher!"

    Er nickte den Umstehenden zum Abschied zu und ging zu Jolanda und Wu.

    Valerian schaute erfreut auf, als Wu sich von der Sigille abwandte.

    "Na, das begrüße ich durchaus! Ein vollgebluteter Boden macht ja auch keinen guten Eindruck, wenn man gerade aus dem Tor kommt.

    Also Energie, sagst du... Wie kann ich da helfen? Du redest vermutlich nicht von einer kleinen Mahlzeit, oder?"

    Draußen vor dem Tunnel lauschte der Forscher den Überlegungen der Soldaten. Unwillkürlich fing er an zu summen.

    Itze Bitze Spinne...

    Er ging ein wenig auf und ab, und plötzlich runzelte er die Stirn.

    Kam der große Regen...

    Ein Schritt auf die Soldaten zu, mit fast geöffnetem Mund. Dann drehte er wieder um. Nein, das ist Blödsinn.

    Oder? Keine Brandgefahr... Harmlos für uns... Wenig Gefahr für den Tunnel, außer an sandigen Stellen... Die Wurzeln würden sich wahrscheinlich eher freuen... Und vielleicht ausreichend unangenehm für die Krabbelviecher...

    Er ließ den Gedanken noch etwas reifen.

    Um Jolanda Lavendel und Wu Yan-Dao nicht bei ihren Analysen zu stören, ging Valerian leise von der Sigille weg in Richtung der restlichen Gruppe, bevor er sich zum Spinnenproblem äußerte:

    "Wisst ihr, für Dinge, die vor mir weglaufen, wegfliegen oder wegschwimmen würden, sehe ich mich zwar nicht zuständig. Dennoch würde ich für die Idee mit den heißen Steinen stimmen. Als Botaniker würde ich nur zur Vorsicht in der Nähe der Wurzeln raten; nicht dass die Hitzeeinwirkung das feine Wurzelgeflecht noch mehr schädigt. Also nicht zu dicht ran, und möglichst kurz."

    Wu schien immer noch in die Sigille vertieft, und Valerian war sich nicht sicher, ob Wu seine Frage wahrgenommen hatte. Wenn doch, wollte er Wu nicht noch einmal in seiner Konzentration stören.

    So verharrte der Forscher ruhig neben Wu, bereit ihm zu helfen, wenn er ihn denn brauchen konnte.