Das Treffen am Portal

  • Jindrich nickte bestätigend und wünschte viel Erfolg. Bis das Material da sein würde, würde es ja auch noch dauern.


    Ohne Eile schlenderte er zum Tor und nutzte die Zeit, um es in Ruhe zu betrachten. Dabei fuhr er behutsam tastend das Portal entlang. Ihn faszinierte das Netzwerk, auch wenn er den Aufenthalt darin nicht wirklich schätzte. Doch die Magie, die Kraft Terras, die darin wirkte, hatte ihn schon einmal berührt...

  • Jindrich betrachte das Tor, welches aus einem Bogen von mehreren Bäumen bestand. Würde man nur einen Baum davon fällen, so würde man eine Besonderheit sehen. Ein Stamm dieser Breite hätte für gewöhnlich weit aus mehr Lebensringe aufzuweisen. Das weist darauf hin das diese Bäume weitaus schneller gewachsen waren als ein normaler Baum. Die Breite des Portals ließ es zu, das selbst Karren hindurch passten. Jindrichs Blick konnte ebenfalls die Sigille nicht entgehen. Es war ein runder, weißer Stein, durch die Witterung leicht vergilbt, welcher Symbole auf sich hatte.

    Das ist meine kleine Revolution.

    Kein Interesse an dem Spiel um dem Thron.

    Ein bisschen Chaos, das ist meine Passion.~

  • Jindrich ließ sich Zeit. Er studierte den Wuchs der Bäume, wie sie ineinander ragten, sich ihre Äste kreuzten und umschlungen. Die Worte Larell-Gaheris hallten in seinem Kopf wieder. Wir sind alles und doch sind wir eins, hatte sie gesagt. Das Verwirrspiel der sich verschränkenden Bäume gefiel Jindrich. Bald gab er es auf, ihren Verlauf durchdringen zu wollen. Am Ende waren sie eh eins. Zwar viele Bäume, doch eben auch ein Tor.

    Er wandte sich den unbekannten Symbolen auf der Sigille zu. Er betrachtete sie sich genau. Fuhr ihre Linien mit den Fingern nach. Er fragte sich, wie sie dort hingekommen war. Wer, wann, warum dieses Tor geschaffen hatte. Ob es auch eine Malaka‘Re war, wie im Reich der Rosen. Ehrlich gesagt, wusste er nicht einmal, ob das Tor hier vor der Stadt schon war. Vom Durchmesser der Bäume her müsste es schon dagewesen sein. Aber er hatte gesehen, wie aus dem Torsprössling in nur ein paar Stunden ein junger Baum geworden war. Das konnte also täuschen.

    Er fragte sich, was die Symbole wohl bedeuteten und wer sie geschaffen hatte. Und ob ein Wuselant irgendwas von ihnen erfahren könnte...

    Jindrich schaute verstohlen über die Schulter und ging sicher, dass niemand ihn beobachtete. Dann trat er einen Schritt näher an die Sigille. Vorsichtig legte er die Hand darauf. Er fühlte den kalten Stein und schloss die Augen. Er konzentrierte sich auf den Stein. Atmete langsamer, gleichmäßiger. Er ließ gemächlich alles um sich herum von sich abfallen und fühlte nur auf die kalte, glatte Oberfläche an seiner rechten Hand und wagte spüren zu wollen, was dahinter lag.

  • Jindrich hielt einige Augenblicke inne und spürte den kalten, glatten Stein. Nicht mehr und nicht weniger. Er wusste auch nicht genau, worauf er spekuliert hatte. Langsam zog er seine Hand wieder fort. Nun brauchte er nur jemanden, dem er seine Fragen stellen könnte. Er ging davon aus, dass Jolanda, Wu und die Narech’Tuloch bald wiederkommen würden. Vielleicht wussten sie etwas... oder spürten hier etwas...

  • Leukos schaute verdutzt seinen Bruder an. "Sag sowas nicht, sonst verliere ich noch meine größte Nebeneinkunft!" Der verdutzte Blick wechselte in einen versöhnlichen.

    "Seitdem du deine Hasenpfote an den Söldner verspielt hast, sieht es immer wieder mau aus bei deinem Glück... Vielleicht solltest du dir einen neuen Glücksbringer suchen. Und ein kleines Opfer um Eos Willen schadet sicher auch nicht..." Er zwinkerte seinem Bruder zu.


    Dann suchte Leukos den Blick von Delia.

    "Die Gewinnchancen stehen und fallen mit dem gewählten Spiel... Und natürlich mit den Würfeln.", fügte er scherzhaft hinzu.

    "Willst du mitmachen?

    Ah, und weil wir gerade dabei sind, weißt du zufällig welches Element für Würfelspiele zuständig ist? Ich weiß, dass Aeris den Aspekt Wettkampf hat, aber wo man diese Spiele einordnet..."

  • Abwechselnd blickte Jindrich zum dem Weg, über den er die Mechaniker mit dem Material erwartete und dem Unterholz, in das sich Jolanda und die anderen geschlagen hatten. Er fragte sich, wer wohl früher kommen würde. Da es sich auf der einen Seite um Vertreter der Faugest handelte, wäre er fast bereit eine Wette einzugehen. Doch Jindrich wettete in der Regel nicht.

    So ließ er sich am Tor nieder, ohne einen Wettpartner herauszufordern, lehnte sich an die verflochtenen Stämme und kramte eine Brotzeit heraus.

  • Valerian kam zurück zum Tor und sah Jindrich bei einer kleinen Mahlzeit. Er setzte sich dazu.

    "Tja. Die meiste Zeit des Lebens marschiert der Soldat vergebens, oder wie ging das?" Der Forscher rieb seine Knöchel.

    "Komme gerade zum Rat der Weisen, und finde da nur einen Aushang vor, dass alles Material für die Reparatur bereitgestellt wird. Da war meine Schätzung wohl zu vorsichtig. Glücklicherweise."

  • Jindrich bot dem Gelehrten einen Apfel an und kaute auf bevor er schuldbewusst entgegnete: „Tut mir Leid. Ich war bei den Mechanikern wegen dem sportlichen du-weißt-schon-was. Von dort nahm es seinen Lauf und Bak hat am Ende alles geregelt.“ Verlegen zuckte er die Schultern. Dann wieß er auf den weißen Stein mit den Symbolen im Portal und seine Mine machte deutlich, dass Valerian ihm nur allzu willkommen war: „Weißt du eigentlich, was es mit dem Stein auf sich hat und was das bedeutet? Woher er kommt? Wer ihn gemacht hat und überhaupt das ganze Tor? War das schon da? Also vor der Stadt?

    Ich hätte ja auch Jolanda und Wu gefragt. Die sind aber in die Büsche, um was auszuprobieren und waren seitdem nicht mehr gesehen.“ Jindrich verzog das Gesicht, als er bemerkte, das dies wohl auch zweideutig verstanden werden könnte.

  • Valerian schnappte sich den Apfel, biss herzhaft hinein und winkte ab.

    "Danke. Keine Entschuldigung nötig, wofür denn?" meinte er kauend.

    "Konnten wir beide nicht wissen, so schnell wie sich das alles entwickelte. Wunderte mich nur, wo auf einmal die ganzen Ressourcen herkommen. Ist wohl wieder so eine "Kenntnis nur bei Bedarf"-Geschichte. Letztlich soll's mir auch recht sein."

    Der Forscher knabberte weiter am Apfel und betrachtete das Tor, den Stein und die Schriftzeichen.

    Valerian war die Schrift der alten Herrscher bekannt, auch wenn er schon länger nichts mehr übersetzt hatte. Er sah genauer hin. Waren das solche Schriftzeichen?

  • Erfreut über die Einladung zu einem kleinen Spiel rückte sie sich zurecht.

    Ja gern gegen eine Partie Würfel hätte ich nichts einzuwenden.

    Was genau spielt ihr denn?

    Und ja das hast du schon ganz richtig eingeordnet Spiele fallen unter Wettkämpfe und das wiederum ist ein Aspekt von Aeris.
    Das letzte Würfelspiel war schon eine Weile her und das war ausgerechnet auf einem schwankenden Schiff.

    Tu deinen Mund auf für die Stummen und für die Sache aller, die verlassen sind.

  • Gaius blikte Delia an.

    ,,Hafenhure'', konstatierte er freundlich.

    Als ihm auffiel, wie missverständlich das klang ergänzte er:

    ,,Also.. das Spiel. Mancheiner kennt es auch unter dem Namen Legat. Die Spielregeln sind denkbar einfach. Du wirfst drei Würfel und musst zwischen einem und drei Würfel ,,behalten''. Der Rest kommt zurück in den ,,Topf'' und wird erneut gewürfelt, und wieder musste du mindestens einen Würfel behalten. Bleibt einer übrig muss dieser wieder in den ,,Topf'' und erneut gewürfelt werden, dieser wird dann ,,behalten''.


    Du versuchst ein möglichst starkes Würfelergebnis zu erwürfeln:


    Es gibt gültige und ungültige Zahlenkombinationen. Die gültigen Kombinationen sind wie folgt gereiht:

    Hafenhure: 1+2+3

    Hastatus: Pasch + Zahl (zum Beispiel 2+2+5-> "Zweier Hastatus plus Fünf)

    Decurio: 2+3+4

    Tessarius: 3+4+5

    Centurios: Drillinge (zum Beispiel 4+4+4 -> "Vierer Centurio". Wobei die 6+6+6 "Primus Pilus" genannt wird)

    Legat: 4+5+6


    Alle Zahlenkombinationen außerhalb dieses Rasters sind nicht gültig. So zum Beispiel 1+2+5. Nicht gültige Würfe werden 'Wasserleiche' genannt.


    Wenn nun also Leukos einen Sechser Hastatus hat, du aber einen Tessarius, hast du gewonnen. Bei Gleichstand wird entweder der Gewinn aufgeteilt oder es wird noch ein Stechen zwischen den beiden Gewinnern ausgefochten.

    Jetzt zum Spezialfall: Die Hafenhure wird von jedem Soldaten übertrumpft. Der Legat übertrumpft alle Soldaten. Doch die Hafenhure kann den Legaten übertrumpfen!


    Das bedeutet, sobald jemand einen Legaten gewürfelt hat, sollten alle versuchen entweder auch einen Legaten zu würfeln um sich den Gewinn aufzuteilen, oder eine Hafenhure um zu gewinnen. Diese Runden nennt man in diesem obszönen Spiel 'Hurenrunde'. Runden mit einem Legaten und einer Hafenhure werden also von der Hafenhure gewonnen. Ohne den Legaten ist sie aber der niedrigste gültige Wurf."



  • Delia schaute ihn erst etwas verdutzt an, fing dann aber an zu lachen.

    Entschuldige bitte... Aber.. In Gedanken war ich eben... beim letzten Würfelspiel das ich gespielt habe.. Und das war auf dem Schiff das mich letzten Herbst aus Orengold wieder hierher gebracht hat. Und dann sagst du Hafenhure... Kichernd hörte sie seinen Erläuterungen zu. In ihren Augen blitzte der Schalk der sie gerne in ihrer vertrauten Runde der Orengolder überkam. Sehr zum Unmut von Daius oftmals.

    Tu deinen Mund auf für die Stummen und für die Sache aller, die verlassen sind.

  • Valerian besah sich die Sigille und konnte keine einzelen Buchstaben erkennen. Viel mehr war es ein Bild aus Strichen, Ecken und Wirbeln in dem sich scheinbar Wahllos auch Buchstaben auftauchten. Er konnte im ersten Moment sich keinen Reim daraus machen wie diese Funktioniert, aber der gebildete Valerian konnte sich vorstellen wofür es war.

    Das ist meine kleine Revolution.

    Kein Interesse an dem Spiel um dem Thron.

    Ein bisschen Chaos, das ist meine Passion.~