17.2.99 Erinnerungen an die Göttin – Valadrian vom Stamm der Toria

  • 17.2.99

    1 Erinnerungen an die Göttin – Valadrian vom Stamm der Toria

    Sie ging darum herum, um den Kristall, der gleich einem nicht schlagenden Herz inmitten all der Apparate lag. Langsam, lauernd, tanzend, lachend, trauernd, liebend, träumend.

    Als könne sie alles sehen, was es sein könne. Als wäre es ein lebend Wesen. Sie trug nichts, als ihre Kleidung, und doch ein Schwert. Sie trug nicht als ihre Krone und doch Stiefel. Sie trug nichts als all ihren Schmuck und doch ihre Zauber.

    Da erkannte ich es. Das Ding lebte! Es war ein Feind, den sie bekämpfte. Ein Liebhaber, mit dem sie rang. Ein alter Freund in langem Hader tief verbunden. Es war ein Teil der Welt. Das blanke Ahnmark eines neuen Volkes. Es war ihre Nemesis. Und ihr größtes Geschenk. Es konnte alles werden was sie wünschte und woran wir Edalphi so kläglich gescheitert waren. Es konnte ihr Untergang werden. Es forderte sie heraus, besessen davon zu werden und ihr Verstand wehrte sich. Sie parierte jede Versuchung mit dem Schwert, während ihre Zauber sich tief in das Ahnenmark gruben und es ihrem Willen unterwarfen. Es war ein Kampf, ein Tanz, ein Reigen, ein Liebesspiel.

    Sie berührte es nur ein einziges Mal, ganz kurz. Und sprach den wahren Namen des Kor um sein Jo-Kor zu brechen. Sie hatte es selbst getauft auf einen Namen, noch bevor sie zu schöpfen begann. Dann legte sie ihre Hand auf, und sprach Worte der Verbindung, ganz sanfte, als wolle sie ein Tier beruhigend und gab dem Ahnmark, was wie wünschte. Eingefangen in reines Amit, so unendlich kostbar hier in der Kelriothar. Das Gefühl der Aggression. Der Kristall nahm es auf, gierig, bereitwillig. Das Ahnmark hatte seine erste Eigenschaft. Die Grundlage all seines Seins. Aggression.

    Sofort griff es an, und die Göttin nahm den Angriff hin, nahm die blutende Wunde quer über ihren winzigen, grazilen Leib wie einen Kuss eines lange verlorenen Bruders hin. Sie lächelte. Hob beschwichtigend die Hand und nannte erneut das Ding beim Doran. Doch es biss erneut, schlangenartig, fest, böswillig. Sie kreischte vor Zorn, vor Hass und griff zum Fächer. Er schleuderte den Angriff auf das Ding zurück, doch es ließ nicht ab.

    Wieder und wieder griff es an und wieder und wieder tanzte, kämpfte, lachte, liebte die Göttin, bis ihr die Lust verging und ein trauernder Ausdruck ihr Gesicht entstellte, gleich des untergehenden Mondes. Sie deutete mit dem Schwert/Fächer (wieso erinnere ich mich nicht genau?) auf das Kor und schleuderte es mit einer simplen Geste vom Sockel. Ihre Präsenz ließ es knieen, obwohl es nur Stein und Kristall war, so wie wir alle knieten. Nicht aus freien Stücken, sondern durch Zaubers Zwang.

    Dann erst begann sie während ihre Diener Alkohol darauf vergossen und den Namen des Kor im Duett sangen, auf und nieder, immer schneller, immer lauter, die Worte des Vergessens zu sprechen. Dreimal wirkte sie den Zauber, vorbereitet in endlosen Stunden. Einmal wie er stets gewirkt wird, leicht dahin. Einmal Kraft ihres Blutes als wahre Gottschöpferin und alte Herrscherin. Und einmal als Herrin dieser Welt, bezeugt durch ihre Fähigkeit zur Vernichtung, welche sie dem Kor bewiesen hatte, als sie und ihresgleichen in sinnlosem Rasen sechs mal sechs Kann vernichtet hatten.

    Dann erst schwand die Aggression aus dem Ahnmark und es war wieder neu, frisch und ohne Prägung. Die Göttin aber versuchte sich danach lange nicht mehr am Kor, denn es gab nur noch dieses eine. Es musste perfekt sein.

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